Die Geschichte der Schützengilde Kufstein - Zukunft trifft Vergangenheit

 

500 JAHRE sind für eine Vereinigung ein außerordentlich stattliches und daher selten erreichtes Alter. Kann man es daher dem Zweifler verdenken, wenn er gleich nach dem Beweis dafür ruft? Dieser liegt in Gestalt eines sehr inhaltsreichen Dokumentes vor, welcher mit der Geschäftszahl des Buches, aus dem es ausgezogen ist (Kop.Nis.fol. 84 / VIII), der Unterschrift des kaiserlich maximilianischen Regenten Paul von Lichtenstein, sowie der Orts - und Datumsangabe alle zeitgemäßen Forderungen für Rechtsgültigkeit erfüllt. Es ist für die „Handpüchsenschützen zu Kuefstain“ sozusagen der Taufschein, da diese durch den Vorschlag, ihnen die erbetene Zuerkennung des “Hosentuechs“ zum Ausschießen an “Feyrtagen“ zu gewähren, erst als vollwertiges und gleichberechtigtes Glied der Zukunft der Tiroler Gilden anerkannt wurden. Steht die Echtheit dieses Dokuments als Taufschein auch außer jedem Zweifel, Geburtsschein darf es keine vollkommene Gültigkeit beanspruchen. Ist das Feuergewehrschießen in Kufstein wirklich jünger als in Rattenberg und Kitzbühel? Unser Dokument bescheinigt schließlich noch die Existenz von „Armbrustschützen “ hält sie jedoch, da ihrer “ zu lützl ist “ d. h. zu wenig sind der Gleichstellung mit den “Püxenschützen“ nicht für wert, mögen sie auch noch, wie anderswo, einige Zeit ihr bescheidenes Dasein weitergeführt haben.

 

Die schriftlichen Aufzeichnungen der Gilde gehen bis ins Jahr 1508 zurück. Diese liegt in Gestalt eines sehr inhaltsreichen Dokuments vor, welches die Unterschrift des kaiserlichen - maximilianischen Regenten Paul von Liechtenstein, sowie Orts - und Datumsangabe (Innsbruck, am 26. April 1508) alle zeitge - gemäßen Forderungen für Rechtsgültigkeit erfüllt. Es ist für die “ Hanndpüchsenschützen zu Kuefstein “ sozusagen der Taufschein. Eine Geschichtsquelle die in ihrer Art wohl einzig und einmalig - wenigstens in Tirol - angesehen werden kann, ermöglicht eine Reihe wichtiger Erkenntnisse: Die historische Schützenkette, mit ihren silbernen und mit Jahreszahlen gekennzeichneten Anhängern, welche über alle Jahrhunderte verteilt sind, bezeugt sich dass das Leben in der Gilde nie für länger unterbrochen worden ist. Die Tatsache, dass in manchen Jahren mehrere Denkmünzen gestiftet wurden, weist darauf hin, dass diese Jahre Höhepunkte im Gildeleben darstellen.

 

Die Kette ist auch ein Zeichen der Verbundenheit mit der Bevölkerung Kufsteins. Ehrenwerte, auch im öffentlichen Leben der Stadt hervorgetretene Angehörige ältester Kufsteiner Familien erscheinen als Spender von Anhängern; wie Auracher, Seebacher, Gwercher, Kink und Kraft. Der ältere Kufsteiner Adel ist mit dem Grafen von Moor vertreten. Dieser hat sich durch sein Gewehr - und Landesexerzierreglement (1700), welches auch den Schützen als Richtschnur diente, um das Tiroler Landesverteidigungswesen Verdienste erworben. Das Militär wird durch mehrere Offiziere der Garnison repräsentiert. Die zweifellos prominentesten Spender einer Medaille waren Fürst Auersperg und der spätere Kaiser Erzherzog Ferdinand als “ Kronprinz Oberschützenmeister “ (natürlich nur ehrenhalber). Kurt von Schuschnigg vertritt die jüngere Zeit. Da die Kette mit ihren Anhängern zu umfangreich wurde, teilte man diese im Jahre 1958 und befindet sich der ältere Teil im Schützenmuseum auf der Festung, während der jüngere Teil immer noch getragen wird und auch weitere Medaillen dazukommen. 

 

Der nachweisbar älteste Schießstand lag, wie auch an anderen Orten, am Inn, an Stelle des heutigen Gasthof Traube. Man schoss über den Fluss und der Festungsberg schloss als natürlicher Kugelfang jede Gefährdung aus. Eine bekannte Stadtansicht aus dem 17. Jahrhundert lässt die großen Scheiben deutlich erkennen und ebenso den städtischen “ Zimmerstadl “ wo sich die Stände befanden.

 

Drei Jahrzehnte später musste der Schießstand verlegt werden, weil sein Platz mit Pallisaden “ verschlagen und zu dem “ Festungs - Fortifikationsbau appliciert “ wurde. Als Ersatz bewilligte der Vice - Obrist - Jägermeister der O. u. V. Ö. Lande Graf Khuen, zu Gnaden den “ Aachengrundt “ (Au). Vor der Wasserbastei am heutigen Fischergrieß. Alljährlich am Martinitag mussten 18 Kreuzer Grundzins bezahlt werden. Obwohl der Platz günstig gelegen war, hielt sie latente Wassergefahr die Schützen noch längere Zeit vor Errichtung einer stabilen Anlage ab. Durch die Einführung des Werndlgewehrs erwiesen sich die Entfernungen und Kugelfänge am Fischergrieß zu kurz und zu schwach.

 

Auf Suche nach einer geeigneten Anlage machte die Militärverwaltung die Stelle des heutigen Schießstandes am „gachen Riffl“ am Kienberg ausfindig und richtete dort eine k.k. Militärschießstätte ein (1874). 1880 wurde die Kufsteiner Garnison für immer abgezogen und die Stadt ihres Festungscharakters entkleidet. Da der alte Schießstand am Fischergrieß auch den Bedürfnissen der Schützengilde nicht mehr genügte, war es selbstverständlich, dass die Erwerbung des k.k. Militärschießstandes ins Auge gefasst und durchgeführt wurde. Große Umbauten, welche fasst einem Neubau gleichkamen und zu denen auch der Kaiser 100 fl. beitrug, ermöglichten die Eröffnung des neuen k.k. Kronprinz - Rudolf - Bezirksschießstandes, nach Tiroler Art, selbstverständlich mit einem Festschießen am 18. August 1881. Die beiden Schützenmeister Dr. Hild und Gstrein haben sich um den Schießstandbau besonder Verdienste erworben. Begreiflicherweise hat diese große Anlage seither oft die Finanzen und Arbeitsfreude der Kufsteiner Schützen in Anspruch genommen. Geschossen wurde auf 50 m, 150 m (200 Schritte), 200 m (300 Schritte) und 300 m (400 Schritte). Im Übrigen sei auch noch aufmerksam gemacht, dass in früherer Zeit gelegentlich auch im Sieberer Garten, “ auf der Klaussn “, “ auf der Duxa “, “ auf der Öd “,in Sparchen, Endach und in der “ Nagglburg “ geschossen wurde.

 

Im Jahre 1980 wurde am Weitstand ein Trakt angebaut. In diesem befindet sich ein Schützenheim und die Schießhalle für Luftgewehr mit 12 Ständen. Am Kleinkaliberstand gibt es je 12 Stände für die Distanz mit 50 m und 150 m sowie einen Pistolenstand mit 6 Ständen auf 25 m auf einem Naturstand. Dafür wurde das im Bürgerturm auf der Festung seit 1946 betriebene Schützenheim und Luftgewehrstandes aufgelassen. Im Bürgerturm befindet sich das “Schützenmuseum“ in dem die ältesten Exponate der Gilde gezeigt werden. Der älteste Teil der Schützenkette ebenso, wie die neu restaurierte Standschützenfahne von 1898 die auf Grund eines besonderen Einsatzes des damaligen Oberzielers Martin Schröck aus den Kriegswirren gerettet werden konnte. Die einfache, aber schmucke Tracht, ohne die heute ein Auftreten der Gilde unvorstellbar ist, wurde erst für die große Jahrhundertfeier der Freiheitskriege im Jahre 1909 angeschafft. Aus vorliegenden Aktenstücken der Schützengilde geht jedoch hervor, dass bereits im Jahre 1824 die Uniformierung der Kompanie in Angriff genommen wurde. Es handelte sich um die bis 1909 übliche graue Lodenkleidung mit grünen Aufschlägen und Hut mit Adlerflaum. In dieser Einheitskleidung nahm die Kompanie beim 2. österreichischen Bundesschießen (1885) teil.

 

Das Training wurde bei den Kufsteiner Schützen immer ernst genommen, es wurden viele Titel bei Bezirks -, Landes - und Staatsmeisterschaften erkämpft. Geschossen wird mit dem Kleinkalibergewehr, dem Feuerstutzen, dem Luftgewehr, der Luftpistole, LP - Großkaliber. Trotz des eifrigen Trainings kommen die Geselligkeit und die Kameradschaft nicht zu kurz. Es werden Freundschaften mit anderen Vereinen in Kufstein, sowie mit Schützen aus Deutschland, Schweiz, Südtirol, Trentino und anderen Ländern gepflegt. Besondere Freundschaften haben wir mit den Schützen aus OER - Erkenschwick Westfalen (mehr als 25 Jahre), Rovereto und Frauenfeld. Die Kufsteiner Schützen bringen somit ein Stück Kufstein in viele Nachbarländer. Und zu guter Letzt repräsentieren die Schützenkompanie bei Anlässen von Kirche und Stadt. Die Mitglieder der Kompanie sind gleichzeitig Mitglieder der Gilde.

 

War ab 1936 bis in den 60er Jahre Oberschützenmeister Siegfried Stafler, zugleich auch Bezirksoberschützenmeister und Landesschützenmeister, mit seinen Männern für die Belange der Gilde verantwortlich, hat dann sein Nachfolger Rudolf Bucher 27 Jahre die Geschicke der Kufsteiner Schützen geleitet. Aus gesundheitlichen Gründen hat er die Führung im Jahre 1992 an Josef Stöger übergeben. Rudolf Bucher wurde zum Ehrenoberschützenmeister gewählt. Josef Stöger leitete bis 2001 die Geschicke der Gilde, dann wurde der langjährige Kassier Siegfried Stafler jun. Oberschützenmeister. Josef Stöger wurde Ehrenoberschützenmeister. Im Jahre 2005 übernahm der jetzige Bürgermeister Dr. Herbert Marschitz das Amt des Oberschützenemeisters und Siefried Stafler geschäftsführender 1.Schützenmeister. Im Jahre 2007 - bei kompletten Neuwahlen - blieb Bürgermeister Dr.Herbert Marschitz Oberschützenmeister, geschäftsführender - 1.SM. Pepi Daxerer. Seit 2010 ist Pepi Daxerer Oberschützenmeister. Unter seiner Führung wurde auch die dringende Renovierung des Schützenheimes und der Sportanlagen vorwärtsgebracht.

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